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Das Überraschungsfest der Volksmusik 2009 - Konzertbericht von Holger StürenburgEr ist, obwohl erst 27 Jahre alt, längst eine feste Institution der leichten Muse deutschsprachiger Unterhaltungsmusik: FLORIAN SILBEREISEN, gebürtig aus Tiefenbach bei Passau stammend, gilt als einer der erfolgreichsten und vor allem vielseitigsten teutonischen TV-Showmaster im volkstümlichen Kontext. Mehrfach pro Jahr fungieren die von ihm moderierten ARD-Fernsehsendungen, etwa das „Frühlingsfest…“, das „Sommerfest…“, das „Winterfest…“ „…der Volksmusik“, als unverbrüchliche Garanten für bestmögliche Einschaltquoten. Der Conferencier selbst ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Er begann das „Überraschungsfest“ 2009 mit der Interpretation der legendären Musicalmelodie „Tonight“/“Heut Nacht“ (aus Leonard Bernsteins Meisterwerk „West Side Story“), wechselte daraufhin zum „Schneewalzer“ und beendete die Begrüßung der rund 2800 Zuschauer in der bei weitem nicht ausverkauften „COL“ mit Fred Astaires fröhlichem Swing-Standard „Singin’ in the Rain“. Nun waren, erstmals an jenem Abend, die (ungewohnt leicht bekleideten) Damen und Herren des MDR-Balletts an der Reihe, die eine kraftvolle Performance zu einem instrumentalen Medley aus der Erkennungsmelodie des Cole-Porter-Singspiels „Can Can“ und Louis Armstrongs End-60er-Hitparadenstürmer „What a wonderful World“ hinlegten. Als liebenswertes „Maskottchen“ der diesjährigen Silbereisen-Tour diente niemand geringeres, als der einstige FC-Bayern-München-Torwart und spätere –Trainer SEPP MAIER, der 1969 seinen Verein zum Deutschen Meistertitel führte und 1974, ebenfalls Dank seiner Künste als Torwart, maßgeblich daran beteiligt war, daß Deutschland die damalige Fußballweltmeisterschaft für sich entscheiden konnte. Immer wieder trat die lebende Legende aus dem niederbayerischen Metten auf die Bühne, nervte zwar ab und an mit unnötig zotigen Sprüchen, überzeugte aber dennoch immer wieder mit bauernschlauem Humor und Sarkasmus, den viele der („politisch korrekt“ formuliert) „strukturkonservativen“ Besucher des diesjährigen „Überraschungsfests“ bestimmt nicht verstanden haben… Nun betraten die aus Franken stammenden „DORFROCKER“ die Bühne, ein junges Nachwuchstrio, bestehend aus Gitarrist, Akkordeonspieler und Sänger – drei fraglos sympathische Jungspunde, die sacht rockige Klänge mit Volkstümlichem verbinden, den Rezensenten mit dieser Melange aber nicht unbedingt vom Hocker rissen. Banale Partyhymnen der Sorte „Jetzt geht’s richtig ab“ können einem Freund der Lyrik eines HR Kunze oder Bob Dylan nicht gefallen… Absolut super war jedoch die Interpretation des 1992er-Topschlagers „Eine weiße Rose“ der „Kastelruther Spatzen“ ausgefallen, von denen die drei Brüder, die übrigens am 21. Mai 2009 beim „Grand Prix der Volksmusik“ antreten werden, einst entdeckt worden sind. Eine Neuauslegung von John Denvers Schmankerl „Take me Home, Country Roads“ beschloß den Auftritt der „Dorfrocker“. Eine junge, überaus begabte Chinesin namens LING war nun an der Reihe. Das bildhübsche, 26jährige Mädchen, das von Chorleiter Gotthilf Fischer protegiert wird, sang sich durch ein Potpourri aus klassischen deutschen Volksliedern (u.a. „Weißt Du, wie viel Sternlein stehen?“, „Du, Du liegst mir am Herzen“), teils sogar in chinesischer Sprache, und betörte später als Solopianistin mit Werken von Beethoven und Mozart. Ob der daran anschließende Auftritt des Möchtegern-Magiers ROY STYLE so unbedingt notwendig war… darüber darf einst eine Historikerkommission befinden… Das – wie gesagt – nicht gerade akademische Auditorium war zumindest begeistert davon, welchen Unfug der selbst ernannte Zauberer in der „COL“ darbot; der Rezensent zog sich während dessen viel lieber zwecks Trinkens eines in die Halle „eingeschmuggelten“ Flachmanns auf die örtliche Toilette zurück… Es nahte nun der erste TATSÄCHLICHE Höhepunkt des Abends: PATRICK LINDNER, gelernter Koch, und in vielen Stilistiken musikalisch zu Hause, feiert 2009 sein 20jähriges Bühnenjubiläum. Der Mann KANN ES EINFACH. Zunächst intonierte er seine aktuelle, von Tommy Mustac komponierte und von Tobias Reitz betextete Mutmach-Hymne „Das Leben ist doch zum Leben da“, um kurz danach ein faszinierendes Medley aus diversen Böhmischen Liedern zu singen: „Aus Böhmen kommt die Musik“, „Es war im Böhmerwald“, „Herz-Schmerz-Polka“ – einfach Klasse : ))) Über den nun folgenden „Betten-Rekord“ – 12 (überwiegend betagtere) Damen, gemeinsam mit Florian in einer Schlafstätte - hüllt sich ebenjener Verfasser dieser Zeilen lieber ins Schweigen… es war mal wieder an der Zeit, sich unentdeckt auf dem Klo einen hinter die Binde zu kippen… Auch „DE RANDFICHTEN“, deren Darbietungen ohne eben erwähnten Schluck Wodka für mich kaum auszuhalten gewesen wären, boten – trotz derzeitigen immensen kommerziellen Erfolges – nur puren Mainstream. „Das kommt vom Rudern“ war schon in der 1964er-Urfassung von „Peter Lauch & den Regenpfeifern“ eine klangliche Zumutung… Das Trio aus dem Erzgebirge hat mit seiner Version dessen aus einem per se scheußlichen Lied ein noch scheußlicheres gemacht. Zudem hoffe ich echt, der „Holzmichel“ (2004 immerhin Rang 3 der deutschen „Media Control“-Charts) ist bald wirklich tot – dann muß man sich diese rein auf Kommerz ausgerichtete „Volksdümmlichkeit“ nicht mehr anhören… Kurz vor einer rund 25minütigen Pause, betraten alle bisher aufgetretenen Künstler nochmals die „Bretter, die die Welt bedeuten“ und brillierten mit einem krossen Medley aus allseits bekannten Melodien, z.B. „Tulpen aus Amsterdam“ (Lead-Vocals: Patrick Lindner), „Die Fischerin vom Bodensee“ („Dorfrocker“), „Kufstein-Lied“ (Ling), „Fußball ist unser Leben“ (alle gemeinsam) und – last, but not least – „Hoch auf dem gelben Wagen“, sowie „Rosamunde“ (Florian ad personam!). Dies sind Titel, die mich – ich wurde kürzlich 38 – lebenslang stets und ständig begleiten – unvergessliche Lieder, die manchen dörflichen Rock’n’Rollern wesentlich besser zu Gesicht stünden, als ihre aktuellen Ex-und-Hopp-Kommerz-Produktionen... Nach der Pause, legte Florian mit der luftig vor sich hin swingenden Nummer „Schenk mir Musik“ (im Original von Caterina Valente) los, versuchte sich während dessen jeweils kurz am Schlagzeug, an der Gitarre, am Piano – um kurz darauf sich jedoch wiederum seinem Leib-und-Magen-Instrument, der „Steirischen Harmonika“, zu widmen. Nahezu solo, coverte er nun den Filmmusik-Klassiker „True Love“/“Wahre Liebe“ (1956 von Bing Crosby und Grace Kelly zum Welthit gemacht), wonach er es sich nicht nehmen ließ, zu sagen „Ihr wisst ja, für wen ich dieses Lied gesungen habe!... (Es kommt der Tag, da schnallt sich der Rezensent ebenfalls ein Akkordeon um, greift tief in die Schublade mit seinen unveröffentlichten Songtexten, nimmt sich allen Mut zusammen… und wird als „Bonus-Track“ seiner kommenden, neuen Single „Heilende Augen“ den Titel „Hey, Lene“ DOCH NOCH aufnehmen…;);););) Auf eine schier grandiose David-Copperfield-Parodie seitens Sepp Maier, die auf einer augenzwinkernden Reminiszenz an den 15. Mai 1976 basierte, als der damalige Bayern-München-Torhüter während eines Spiels gegen den VfL Bochum eine Ente einfangen wollte, die sich unbeabsichtigt auf das Spielfeld verflogen hatte, tanzte das MDR-Ballett, gemeinsam mit den „Randfichten“, den „Dorfrockern“, Patrick und Florian, ein instrumentales Medley, das aus den schönsten und bekanntesten Melodien aus der am 25. August 1917 uraufgeführten Operette „Schwarzwaldmädel“ bestand. Ja, und dann erschien ein wahrhaftiger Weltstar auf der Bühne der „COL“. Mein 1976 verstorbener Großvater war in sie verknallt, mein Vater – lebte er noch – würde sich wohl Waldheim-/Althaus-gemäß nicht mehr daran erinnern können, ggf. ebenfalls Emotionen für die hübsche Norwegerin aufgebracht zu haben… Zu Hamburg, so erzählte die achtfache Großmutter, der man ihre 62 Jahre weder ansieht, geschweige denn anhört, verbände sie ein besonderes Verhältnis, da sie in des Rezensenten Heimatstadt, irgendwann Mitte der 60er Jahre, ihre Karriere auf dem deutschen Schallplattenmarkt begonnen habe. Doch daraufhin intonierte die Vollblut-Entertainerin ein (mir bislang unbekanntes), äußerst ironisches Couplet über eine imaginäre 42jährige Dame namens „Gisela Schmidt“, die in MÜNCHEN, in der Kaufinger Straße 9 wohnt, dort im Appartement 403 residiert, aber immer noch keinen Ehemann gefunden hat… also reist sie um die Welt, um irgendwo den Richtigen zu treffen – ja, auf den Bahamas verliebt sie sich in einen Mann, der einen ortsunüblichen (nämlich bayerischen) Dialekt spricht – ja, und nu kommt’s: der Gute lebt gleichfalls in der Kaufinger Straße Numero Neun – seine Appartementnummer lautet 402 – weshalb die Protagonistin doch einfach nur mal an der Nachbarstür hätte klingen müssen, um ihren Traumpartner kennen zulernen… Ein witziger, total überzeugender Plot, der vielmehr im Kleinkunst-/Kabarett-Bereich anzusiedeln ist, als im Umfeld der ‚Dörfler’ und ‚Fichten’ dieses unseren Landes… Natürlich durften beim „Überraschungsfest der Volksmusik“ auch Wenckes Gassenhauer aus den 60er und 70er Jahren keinesfalls fehlen: „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“ (1966), „Eine Mark für Charly“ (1977; müßte nach 2002 eigentlich heißen: „50 Cent für Charly“…), „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ (1970) – und schlußendlich, „beruflich passend“, im Duett mit Sepp Maier, „Er steht im Tor“ – jener Top-4-Gassenhauer, der in ebenjenem Jahr – 1969 – die Charts stürmte, als Sepp seine Bayern erstmals zum Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft führte. Gerade hinreißend, perfekt, prickelnd und atmosphärisch, duettierten sich Wencke und Florian bei einer Coverversion des vom Bombast-Komponisten Jim Steinman für Rockröhre Bonnie Tyler verfassten 1983er-Klangepos „Total Eclipse of the Heart“, welches der langjährige „Meat Loaf“-Spezi Ende der 90er für das von ihm konzipierte Musical „Tanz der Vampire“ erneut einsetzte und das auf Deutsch den Titel „Totale Finsternis“ trägt. Gerade dieser phänomenale Zwiegesang beweist eindeutig, daß Florian wesentlich mehr drauf hat, als seine Kommerz-Stomper „Links a Madl, rechts a Madl“ oder „Seid ihr gut drauf“, die zum Schluß des diesjährigen „Überraschungsfests der Volksmusik“ selbstverständlich zum Zuge kommen mußten. Die vielen leeren Sitze in unserer Hamburger Arena sollten den Veranstaltern und Organisatoren von Florians jährlichen Tourneen zu denken geben und sie dazu inspirieren, neue Konzepte zu entwickeln, interessantere Künstler zu buchen – Leute, wie Wencke, Patrick oder Sepp haben einfach Stil; alles andere war Kokolores. Weitere Tourdaten finden sie unter: Quelle: (Holger Stürenburg, 01./02. Mai 2009) |
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